# EURO-NCAP VSDPS: Innovation oder institutionelle Expansion

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- Veröffentlicht: 2025-07-10T13:14:05+02:00
- Autor: Michael Bunzel

**Ein kritischer Beitrag zur Bewertung des VSDPS-Testverfahrens im Lichte bestehender
Regulierung, industrieller Realität und technischer Entwicklung**

### **Einleitung**

Verbände sind auch nur Unternehmen – immer auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen
und Einkunftsquellen. [Euro-NCAP](https://www.euroncap.com/en) ist da keine Ausnahme:
Während man bisher mit der Safety-Bewertung von Fahrzeugen und diesbezüglichen Tests
sein Geld verdiente, kamen die dortigen Verbandsverantwortlichen für Business Development
nach Inkrafttreten der einschlägigen Regulierungen zur Automotive Security als Homologationsvoraussetzung(
u.a. [UN R155](https://unece.org/transport/documents/2021/03/standards/un-regulation-no-155-cyber-security-and-cyber-security),
GB 44495-2024) sowie der einschlägigen Industriestandards (ISO/SAE 21434:2021, ISO/
PAS 5112:2022, ISO/SAE PAS 8475, ISO/SAE TR 8477) auf die glorreiche Idee, ihr monetäres
Wirken auch auf die Automotive Security auszuweiten.

Im Grunde genommen ein konsequenter Schritt – man begann initial mit dem Safety-
Rating, dann kam das Assistant Driving Granding dazu und nunmehr das Cybersecurity
Rating. Mit letzterem sollen die Kunden in Zukunft also nicht nur eine Antwort auf
die Frage bekommen, ob sie nach einem Crash noch lebend aus dem Fahrzeug geborgen
werden können oder ob der automatische Spurhalteassisstent das Fahrzeug nicht auf
eine Querfeldein-Tour über eine dreispurige Autobahn schickt, sondern auch, ob ihr
Fahrzeug mit elektronischer Wegfahrsperre am nächsten Morgen noch an der gleichen
Stelle steht oder aber böse Hacker das Onboard-Netzwerk penetrieren und Daten manipulieren
können.

Mit der Einführung des VSDPS (Vehicle Security, Data Privacy and Sovereignty) soll
ein Bewertungssystem für die IT-Sicherheit, Datenschutz und Datenhoheit im Fahrzeug
etabliert werden – analog zu den etablierten Crashtests und Assistenzsystem-Bewertungen.
Doch was als Fortschritt erscheint, wirft gravierende Fragen auf: methodisch, regulatorisch
und industriepolitisch.

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## **I. Strategischer Hintergrund: NCAPs Grenzüberschreitung**

### 1. **Erweiterung des Mandats ohne Legitimation**

OEMs nehmen die VSDPS-Initiative als einen strategischen Versuch von Euro-NCAP wahr,
seinen Einfluss auf Bereiche auszuweiten, die deutlich außerhalb seines etablierten
Mandats liegen. Die Bewertung der automobilen Cybersicherheit unterliegt bereits
rechtsverbindlichen Rahmenwerken wie UN R155, teilweise auch der EU7-Verordnung,
sowie dem chinesischen Standard GB 44495-2024 – allesamt Vorschriften, die direkt
mit der Typgenehmigung von Fahrzeugen verknüpft sind.

Umso erstaunlicher ist es daher, dass Euro-NCAP – ein Konsortium, dem neben Automobilverbänden
und Versicherungsunternehmen auch oberste Bundesbehörden aus Deutschland (etwa das
Bundesministerium für Digitales und Verkehr) sowie Exekutivorgane anderer europäischer
Staaten angehören – widerspruchslos eine Aushöhlung des normativen Rahmens für die
Automotive Cybersecurity hinzunehmen scheint. Dies zeigt sich beispielsweise in 
einer Abkehr vom risikobasierten Ansatz hin zu einer Art Checklisten-Anforderung.

Entweder sind die beteiligten Behörden innerhalb des Euro-NCAP-Konsortiums nicht
in die Vorabstimmung entsprechender Initiativen eingebunden, oder es fehlt ihnen
schlicht an Interesse. Keine der beiden Alternativen wirft ein gutes Licht auf die
Arbeitsweise von Euro NCAP.

### 2. **Wettbewerb statt Komplementarität zur Regulierung**

Anstatt regulatorische Lücken zu schließen, schafft die VSDPS-Initiative ein paralleles
Bewertungssystem, das OEMs doppelte Arbeit auferlegt, ohne dabei einen klaren Mehrwert
für Verbraucher zu bieten. Diese Doppelstruktur untergräbt regulatorische Kohärenz
und Klarheit.

Vor diesem Hintergrund sollte jede Bewertung der Cybersicherheitsfähigkeiten eines
Fahrzeugs eng an den einschlägigen normativen Anforderungen ausgerichtet sein. Es
ist weder sachgerecht noch empfehlenswert, alternative, potenziell irreführende 
oder gänzlich ungeeignete Kriterien einzuführen, die faktisch ein paralleles Anforderungsrahmenwerk
für die Automotive Cybersecurity etablieren würden.

Spätestens angesichts der faktischen Wirkungsmacht auf die Kaufentscheidungen von
Endverbrauchern sollte sich Euro NCAP des Umfangs seiner Zuständigkeit und der daraus
erwachsenden Verantwortung bewusst sein, bevor derartige Vorschläge veröffentlicht
werden.

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## **II. Methodische Kritik: Ein starres Raster in einer dynamischen Realität**

### 1. **Statisches Checklistenmodell statt risikobasierter Bewertung**

Der VSDPS-Ansatz basiert auf einer vordefinierten Liste von Testpunkten und Schnittstellen(
Bluetooth, USB, OBD etc.). Fahrzeuge, die bestimmte Technologien gar nicht besitzen,
werden automatisch mit “0 Punkten” bewertet. Das ist weder fair noch technisch sinnvoll–
ein Fahrzeug ohne WLAN kann nicht für seine „ungenügende WPA2-Konfiguration“ abgestraft
werden.

### 2. **Risiko-Ignoranz: Gleichbehandlung trivialer und kritischer Bedrohungen**

Angriffe mit völlig unterschiedlicher Risikorelevanz – z. B. ein erfolgreicher Roll-
Jam-Angriff auf Keyless Entry vs. ein akademischer GPS-Spoofing-Test – werden gleich
gewichtet. Das widerspricht jeder sicherheitstechnischen Logik. Für OEMs bedeutet
dies: Ressourcen werden auf marginale Risiken umgelenkt, während reale Angriffsvektoren
in der Gewichtung untergehen.

### 3. **Nicht-anwendbare Tests als Abwertungskriterium**

Wenn eine Testmöglichkeit nicht gegeben ist – sei es, weil die Fahrzeugarchitektur
sie nicht unterstützt oder weil keine gesetzliche Pflicht zur Implementierung besteht–
wird das Ergebnis dennoch als negativ bewertet. Für OEMs ist das eine systematische
Verzerrung der Realität.

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## **III. Technologische Kritik: Vergangenheitsfixierung statt Innovationsförderung**

### 1. **Veraltete Bedrohungsannahmen**

VSDPS berücksichtigt keine modernen Fahrzeugarchitekturen: Keine Bewertung von Over-
the-Air (OTA) Update-Mechanismen, keine Absicherung von Vehicle-to-X-Kommunikation,
keine Metriken zu Secure Boot, Authenticated Diagnostics oder Zero Trust Architectures.
Stattdessen: USB-Passworttests und manuelles Durchsuchen der Head-Unit-Menüs.

### 2. **Testmethodik nicht zukunftssicher**

Die beschriebene Methodologie ist nicht reproduzierbar über die Lebensdauer eines
Fahrzeugs. Die fortlaufende Weiterentwicklung digitaler Fahrzeugfunktionen führt
dazu, dass einmal erzielte Ratings bald obsolet oder irreführend sind. Die Vergleichbarkeit
über Modelljahre hinweg ist nicht gewährleistet.

### 3. **OEM-spezifische Architekturen werden ignoriert**

Die Testmethodik basiert implizit auf einem monolithischen E/E-Architekturverständnis–
in der Realität aber verfolgen OEMs zunehmend software-definierte, serviceorientierte
und zonale Architekturen. Eine Einheitsprüfung ist hier weder möglich noch sinnvoll.

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## **IV. Datenschutz und Datenhoheit: Juristische und praktische Inkonsistenzen**

### 1. **Veraltete Definitionen und Rechtsverständnis**

Die im VSDPS-Dokument zitierten Definitionen zu „Data Privacy“ stammen aus der bereits
2018 aufgehobenen EU-Datenschutzrichtlinie (95/46/EG) – nicht aus der geltenden 
DSGVO. Dies lässt erhebliche Zweifel an der juristischen Kompetenz des Dokuments
aufkommen.

### 2. **„Data Sovereignty“ als undefinierter Begriff**

Der Begriff der „Datenhoheit“ wird inflationär verwendet, ohne rechtliche Verankerung,
technische Operationalisierung oder Messkriterien. Die vorgeschlagenen Tests basieren
auf subjektiven Einschätzungen der Benutzerfreundlichkeit („Ist es klar, wie man
Apps startet?“) und stehen in keinem Verhältnis zu tatsächlichen sicherheitsrelevanten
Themen.

### 3. **Konflikt mit gesetzlichen Verpflichtungen**

Mehrere Tests fordern Funktionen, die mit gesetzlichen Pflichten kollidieren – etwa
die Möglichkeit, das Fahrzeug vollständig offline zu betreiben, obwohl Notrufsysteme
wie eCall gesetzlich vorgeschrieben sind. OEMs sehen sich hier zwischen regulatorischem
Zwang und Testabwertung gefangen.

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## **V. Wirtschaftliche Auswirkungen für OEMs**

### 1. **Kosten-Nutzen-Disproportionalität**

Die Implementierung von VSDPS-kompatiblen Teststrukturen verursacht Kosten in Entwicklung,
Testing und Dokumentation – bei gleichzeitigem Fehlen von Mehrwert im Vergleich 
zu regulatorischen Anforderungen. Insbesondere für kleinere Hersteller kann das 
zum Innovationshemmnis werden.

### 2. **Marktverzerrung durch unscharfe Ratings**

Fahrzeuge können aufgrund nicht nachvollziehbarer oder irrelevanter Metriken schlechter
bewertet werden, was zu Wettbewerbsverzerrung führt. Ein Fahrzeug, das technologisch
fortschrittlich ist, aber z. B. keine separate Gastbenutzer-Funktion bietet, könnte
schlechter abschneiden als ein technisch schwächeres Konkurrenzmodell.

### 3. **Gefahr eines falschen Sicherheitsgefühls**

Ein VSDPS-Rating kann suggerieren, ein Fahrzeug sei „cybersicher“ – obwohl es lediglich
bestimmte Prüfungen besteht. Das untergräbt die Idee von Security by Design und 
risikobasierter Sicherheitsbewertung.

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## **Fazit: VSDPS – Ein gut gemeinter Irrweg**

Euro-NCAPs Initiative zur Bewertung von Automotive Cybersecurity ist zweifellos 
Ausdruck wachsender Relevanz dieses Themas. Doch der VSDPS-Vorschlag in seiner aktuellen
Form ist methodisch unausgereift, technologisch rückwärtsgewandt, regulatorisch 
übergriffig und wirtschaftlich belastend für Hersteller.

OEMs sollten sich nicht scheuen, diesen Vorstoß mit Nachdruck zu kritisieren – nicht,
weil Sicherheit unwichtig ist, sondern weil sie zu wichtig ist, um sie mit unausgereiften
und ineffektiven Bewertungsmechanismen zu verwässern.

Englische Version? [Hier …](https://smartnuts.com/2025/07/10/euro-ncap-vsdps-innovation-or-institutional-overreach/)

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